Was spielt bei einem kommerziellen Design alles eine Rolle?

Wenn ich mit Leuten spreche und es zur Sprache kommt, welchen Beruf ich ausübe, sind die Reaktionen oft: „Oh, wie schön, so einen kreativen Beruf zu haben, ich würde auch gerne etwas Kreatives machen“. Nicht selten haben die Leute eine Art „Reich und Schön“ Bild von Modedesignern im Kopf.

Aber wenn ich ihnen erzähle, dass ich den gestreiften Pullover oder das karierte Oberhemd designt habe, die dort im Schaufenster hängen, dann sind die Reaktionen häufig, „aber die gibt es doch schon? Was kann man da noch neu designen?“ Das ist genau das, was kommerzielles Designen ausmacht.

Es geht nicht darum, ob ich und alle meine Kollegen nun das speziellste oder ganz besondere Design machen, nein es geht darum, dass ich genau das Kleidungsstück entwerfe, das Sie als Verbraucher haben möchten, wenn das Kleidungsstück in die Geschäfte kommt.

Das „Design“ steckt dann gerade in den kleinen Details, wie den Karos in der Farbkombination, die Ihnen am besten steht. Oder in der Streifenkombination, die gerade wieder ein wenig neuer ist als die der vorherigen Saison.   

Außerdem geht es in der Regel nicht um ein einzelnes Kleidungsstück, sondern um eine ganze Kollektion zusammenpassender Kleidungsstücke. Das bedeutet, wenn ich z.B. mehrere Oberhemden oder Pullover zeichne, dass diese in einem Geschäft nebeneinander alle gut zusammenpassen aber doch ein bisschen anders sein müssen, damit Sie als Kunde am liebsten gleich alle kaufen möchten. Das ist im Telegrammstil genau das, was kommerzielle Designer machen.

Nach dem Design

Mit dem Entwurf der richtigen Kleidungsstücke für den richtigen Zeitpunkt sind wir natürlich noch lange nicht fertig. Jedes einzelne Kleidungsstück muss hergestellt werden, das klingt ganz logisch, aber es muss auch festgelegt werden, wie viele Exemplare von jedem Kleidungsstück hergestellt werden müssen. Und vor allem auch, wie viele pro Größe? Das nennt man dann „Größen-Bogen“. Es gibt Leute, deren Aufgabe es ist, diese Dinge anhand von Informationen, wie beispielsweise der Verkaufsfläche eines Geschäfts, den Verkaufszahlen von (Online-)Geschäften, sowie Bevölkerungsdaten bezüglich Größe, Gewicht und Kaufverhalten, zu berechnen.

Coordinated look Herbst 2016 bei Plusman

Produktion

Wenn dann alle diese Zahlen festgelegt wurden, müssen die Kleidungsstücke noch hergestellt werden. Das bedeutet, dass eine Textilfabrik ausgewählt werden muss. Diese Fabriken stehen meistens in China, Indien oder Bangladesch. Eine solche Fabrik muss die Qualitätsanforderungen erfüllen, die wir in Europa an ein Kleidungsstück, aber auch an die Arbeitsbedingungen der Fabrikarbeiter, stellen.

Oft wird das Design eines Kleidungsstücks auch an 2 oder 3 Fabriken geschickt, die dann alle einen Prototyp herstellen. Die Fabrik, die dann den besten Prototyp zum günstigsten Preis und innerhalb der geforderten Zeit herstellt, bekommt dann den Auftrag.

Zunächst stellt die Fabrik nur ein Stück pro Größe her, damit jede Größe anprobiert werden kann. Erst wenn jede Größe anprobiert und genehmigt wurde, kann die Produktion beginnen.

Alle Kleidungsstücke werden hergestellt und danach wird kontrolliert, ob die hergestellten Kleidungsstücke auch den Qualitätsanforderungen entsprechen. Wenn das so ist, können alle Kleidungsstücke geliefert werden. Mit dem Schiff oder manchmal mit dem Flugzeug wird dann alles an ein Lager in den Niederlanden geschickt, von wo aus dann alle Kleidungsstücke an die Geschäfte verteilt oder im Falle eines Webshops an Sie als Einzelkunden geschickt werden.

Eine ganze Kollektion

In dem obigen Text habe ich Ihnen von einem Kleidungsstück, vom Design bis zu Ihnen als Kunde, erzählt.

Aber ein (Online-)Geschäft verkauft eine ganze Kleidungskollektion und nicht nur ein loses Kleidungsstück. Das bedeutet also, dass jedes Kleidungsstück aus dieser Kollektion zur gleichen Zeit ins (Online-)Geschäft kommen muss. Die Winterjacken müssen im Schaufenster natürlich mit den langen Hosen und nicht mit den Badeshorts kombiniert werden.

Das macht den Prozess der Entwicklung einer Kleidungskollektion zu einer echten Herausforderung. Es ist nämlich so, dass eine Textilfabrik in den meisten Fällen nur 1 Sorte der Kleidungsstücke herstellt. Es gibt Fabriken für Oberhemd und Fabriken für Pullover und ich könnte die Aufzählung beliebig fortsetzen. All diese verschiedenen Fabriken müssen also ihre Kleidungsstücke gleichzeitig fertiggestellt haben, um sicherzustellen, dass Sie die schöne Winterkollektion von Plusman auch tatsächlich kaufen können.

Sie sehen also, dass beim kommerziellen Design und bei der Entwicklung einer Kleidungskollektion gleich mehrere Aspekte eine wichtige Rolle spielen.

Im nächsten Monat erzähle ich Ihnen noch mehr darüber und was dies im Einzelnen bedeutet.

Viel Spaß beim Einkaufen und bis 2017,

Linda Truijens